Smart Pricing und Beispiele: Von der manuellen Taktik zur prädiktiven Strategie

Smart Pricing und Beispiele: Von der manuellen Taktik zur prädiktiven Strategie

02/25/2026 - Dynamische Preise

In einem Handelsumfeld, in dem Volatilität die einzige Konstante ist, reicht es nicht mehr aus, Preisschilder nur auf Basis von Bauchgefühl oder Excel-Tabellen anzupassen. Die Margen werden knapper und der Wettbewerb reagiert nicht nur, er antizipiert. Genau hier wird Price Intelligence im Einzelhandel zum entscheidenden Faktor, der darüber entscheidet, ob man die Saison nur überlebt oder die Kategorie anführt.

Was genau ist Smart Pricing?

In der Branche herrscht oft Begriffsverwirrung. "Dynamic Pricing" und "Smart Pricing" werden häufig synonym verwendet, repräsentieren jedoch sehr unterschiedliche digitale Reifegrade.

Was ist Smart Pricing?

Smart Pricing (oder intelligente Preisgestaltung) ist die strategische Evolution des Dynamic Pricing. Während die traditionelle dynamische Preissetzung auf einfachen Regeln reagiert (wenn mein Konkurrent den Preis senkt, ziehe ich nach), nutzen Smart-Pricing-Ansätze fortschrittliche Algorithmen der Künstlichen Intelligenz. Diese verarbeiten mehrere Variablen gleichzeitig – wie Lagerbestand, Nutzerverhalten, Preiselastizität der Nachfrage und Betriebskosten –, um den optimalen Preispunkt zu finden, der je nach Geschäftsziel den Gewinn oder die Konversionsrate maximiert.

Diese Rechenkapazität unterscheidet ein einfaches Tool von einer fortschrittlichen Pricing Engine. Dank der Technologie einer AI Pricing Engine werden Entscheidungen nicht mehr reaktiv, sondern proaktiv getroffen. Das System "sieht" nicht nur, was auf dem Markt passiert, sondern versteht den Kontext Ihres Unternehmens.

Der entscheidende Unterschied: Statisch, Dynamisch und Intelligent

Um den qualitativen Sprung zu visualisieren, ist es wichtig, die Evolutionsstufen zu verstehen:

  1. Statische Preise: Das traditionelle Modell. Preise werden zu Saisonbeginn festgelegt und kaum variiert. Ein starres Modell, das Margenchancen verpasst, wenn die Nachfrage steigt, und Umsatz verliert, wenn die Nachfrage sinkt.
     
  2. Traditionelles Dynamic Pricing: Basiert auf linearen Regeln ("Wenn/Dann"). Nützlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben, aber gefährlich ohne Margenkontrolle, da es unnötige Preiskämpfe auslösen kann.
     
  3. Smart Pricing (Intelligente Preise): Nutzt Maschinelles Lernen (Deep Learning), um Variablen zu gewichten. Das System könnte beispielsweise entscheiden, den Preis nicht zu senken, obwohl der Wettbewerb dies tut, weil es erkennt, dass Ihr Lagerbestand niedrig und die Nachfrage hoch ist. So wird Ihre Rentabilität geschützt.

Wenn Sie diesen Vergleich vertiefen möchten, empfehlen wir unsere Analyse zu statischen vs. intelligenten Preisen, in der wir die finanziellen Auswirkungen jedes Modells aufschlüsseln.
 

So erstellen Sie Schritt für Schritt eine Smart-Pricing-Strategie

Technologie allein löst keine Geschäftsprobleme; sie benötigt eine klare Richtung. Bevor ein Algorithmus aktiviert wird, ist es zwingend erforderlich, eine kohärente Strategie zu entwerfen. Viele Händler scheitern daran, dass sie versuchen, das Chaos zu automatisieren.

Schritt 1: Definition der Geschäftsziele

Sie können nicht alles gleichzeitig optimieren. Entscheiden Sie, was in jeder Kategorie oder bei jedem Produkt Priorität hat: Wollen Sie die Gewinnmarge maximieren, Marktanteile durch Absatzvolumen gewinnen oder Altbestände liquidieren? Eine intelligente Pricing Engine muss das Ziel kennen, um die beste Route zu berechnen.

Schritt 2: Analyse von Kosten und minimal tragfähigen Margen

Price Intelligence muss innerhalb von Sicherheitsgrenzen operieren. Es ist vital, einen Mindestpreis festzulegen, der Produkt-, Logistik- und Marketingkosten deckt. Dies fungiert als "Boden", den der Algorithmus niemals unterschreiten darf, um sicherzustellen, dass kein automatisierter Verkauf Verluste generiert (Deckungsbeitragssicherung).

Schritt 3: Segmentierung der Zielgruppe und Sensibilität

Nicht alle Kunden bewerten Produkte gleich. Das Verständnis der Preiselastizität ermöglicht differenzierte Strategien. Beispielsweise können Produkte für "Impulskäufe" eine andere Preissensibilität aufweisen als langlebige Güter, was bei ersteren breitere Margen ermöglicht.

Schritt 4: Auswahl des Tech-Stacks

Stellen Sie sich einen Händler vor, der versucht, 10.000 Artikelnummern (SKUs) mit Excel zu verwalten und Preise wöchentlich manuell zu aktualisieren. Das Risiko menschlicher Fehler ist extrem hoch und die Reaktionsgeschwindigkeit gleich null. Um eine moderne Strategie umzusetzen, ist es notwendig, Tabellenkalkulationen hinter sich zu lassen und eine Pricing Engine im E-Commerce zu implementieren, die Daten zentralisiert und Änderungen autonom ausführt.


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Was genau ist Smart Pricing

5 Beispiele für Smart Pricing im Einzelhandel und E-Commerce

Um die tatsächliche Tragweite dieser Technologie zu verstehen, lassen wir das klassische Beispiel der Fluggesellschaften beiseite und konzentrieren uns auf alltägliche Situationen im B2B- und B2C-Handel.

1. Unterhaltungselektronik: Margenschutz bei Preiskriegen

In diesem Sektor ist die Vergleichbarkeit total (durch Portale wie Idealo oder Geizhals) und der Wettbewerb gnadenlos. Ein manueller Ansatz oder einfache Regeln ("immer den günstigsten Wettbewerber matchen") führen oft zur Wertvernichtung.

Die intelligente Maßnahme: Der Algorithmus erkennt, dass ein Wettbewerber den Preis eines High-End-Fernsehers aggressiv gesenkt hat. Anstatt gleichzuziehen, analysiert das System Ihr Inventar und stellt fest, dass Sie nur wenige Einheiten haben und die historische Nachfrage zu diesem Zeitpunkt hoch ist. Die intelligente Entscheidung ist, den Preis zu halten oder nur minimal zu senken, um die Marge zu wahren, im Wissen, dass der Wettbewerber seinen Bestand schnell ausverkaufen wird. Dies ist entscheidend, um einen destruktiven Preiskrieg zu vermeiden.

2. Mode und Fashion-Retail: Optimierung von Sales und Lebenszyklusmanagement

Die Modebranche leidet unter starker Saisonalität und dem hohen Risiko, auf unverkaufter Ware sitzen zu bleiben.

Die intelligente Maßnahme: Anstatt bis zum Saisonende (Schlussverkauf) zu warten, um einen massiven Rabatt von 50 % zu gewähren, identifiziert ein Smart-Pricing-System Wochen vorher die "Laggards" (Produkte mit schleppendem Absatz). Es wendet progressive und chirurgische Rabatte an (z. B. 10 % oder 15 %), um die Nachfrage frühzeitig zu stimulieren. Dies glättet die Verkaufskurve und verbessert die durchschnittliche Endmarge. Eine essenzielle Taktik, wenn Sie planen, Dynamic Pricing am Black Friday profitabel einzusetzen.

3. FMCG (Supermärkte): Preise basierend auf Mindesthaltbarkeit

Lebensmittelverschwendung ist ein enormer Kostenfaktor für Supermärkte.

Die intelligente Maßnahme: Implementierung dynamischer Preise basierend auf dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Das System reduziert den Preis für frische Produkte automatisch, je näher das Ablaufdatum rückt. Dies schafft einen Kaufanreiz, reduziert Abfall und vermeidet die negative Wahrnehmung im Zusammenhang mit Shrinkflation oder Greedflation, indem dem Verbraucher ein fairer Wert für ein Produkt zum sofortigen Verzehr geboten wird.

4. Baumarkt & Heimwerken: Differenzierte Preise pro Kanal (Omnichannel)

Die Betriebskosten für den Verkauf einer Bohrmaschine im stationären Laden (Miete, Personal) sind nicht dieselben wie beim Versand aus einem Zentrallager.

Die intelligente Maßnahme: Eine Smart-Pricing-Strategie ermöglicht es, Basispreise anzugleichen, um die Markenkohärenz zu wahren, aber exklusive Aktionen oder Anpassungen basierend auf den Servicekosten des Kanals anzubieten. Zum Beispiel ein wettbewerbsfähigerer Online-Preis, wenn der Kunde "Click & Collect" (Abholung im Markt) wählt, was die Retourenlogistik optimiert und Cross-Selling im Laden fördert.

5. Marktplätze: Anpassung in Echtzeit für die Buy Box

Auf Plattformen wie Amazon ist der Gewinn der "Buy Box" (das Einkaufswagen-Feld) gleichbedeutend mit dem Abschluss des Verkaufs.

Die intelligente Maßnahme: Die Software führt ständige Mikro-Anpassungen durch, manchmal im Cent-Bereich, um die Position in der Buy Box zu sichern. Das Entscheidende dabei ist, dass die Künstliche Intelligenz dies immer unter Einhaltung der vordefinierten Rentabilitätsgrenze tut und vermeidet, nur für die Sichtbarkeit mit Verlust zu verkaufen.
 

Praktischer Anwendungsfall: Leroy Merlin und die Omnichannel-Optimierung mit Reactev

Die Theorie ergibt Sinn, wenn wir Ergebnisse bei großen Marktteilnehmern sehen. Leroy Merlin, Marktführer im Bereich Heimwerken und Garten, stand vor der Herausforderung, Tausende von Artikeln in einer hybriden Umgebung aus physischen Märkten und Online-Kanal zu verwalten.

Die Herausforderung: Das Unternehmen musste seine Preisstrategie vereinheitlichen, um über alle Kanäle hinweg wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne die Margen zu opfern – und das in einem Markt mit sehr aggressiven Wettbewerbern sowohl online als auch offline.

Die Lösung: Sie implementierten die Plattform von Reactev, um Preisszenarien zu simulieren und komplexe Geschäftsregeln zu automatisieren. Dies ermöglichte es ihnen, nicht mehr manuell auf Marktveränderungen zu reagieren, sondern zu einem Modell überzugehen, bei dem Regeln mit Präzision und Kohärenz ausgeführt werden.

Das Ergebnis: Leroy Merlin erreichte eine beispiellose Agilität bei der Entscheidungsfindung, verbesserte die Preiswahrnehmung beim Kunden und optimierte interne Prozesse. Die vollständigen Details dieses Erfolgs können Sie in unserer Case Study zu Leroy Merlin nachlesen.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zu Smart Pricing und Beispielen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Dynamic Pricing und Preispersonalisierung?

Dynamic Pricing ändert sich basierend auf Markt- und Produktvariablen (Nachfrage, Wettbewerb, Lagerbestand) und ist zu einem bestimmten Zeitpunkt für alle Nutzer gleich. Preispersonalisierung hingegen bietet verschiedenen Nutzern basierend auf ihrer Historie oder ihrem Profil unterschiedliche Preise an – eine Praxis, die im allgemeinen Einzelhandel sensibler ist und aus Datenschutzgründen (DSGVO) vorsichtiger gehandhabt wird.

Ist Künstliche Intelligenz für Smart Pricing notwendig?

Ja. Während einfaches Dynamic Pricing mit simplen Regeln funktionieren kann, erfordert "Smart Pricing" die Verarbeitung riesiger Datenmengen und die Vorhersage zukünftiger Szenarien. Das ist etwas, das nur Maschinelles Lernen und KI effizient und skalierbar leisten können.

Bedeutet Smart Pricing immer, den Preis zu senken?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Mythos. Eine intelligente Strategie sucht den optimalen Preis. In vielen Fällen bedeutet das, den Preis zu erhöhen, wenn der Wettbewerb keinen Lagerbestand hat oder wenn Ihr Produkt eine hohe Bewertung und Nachfrage genießt. So schöpfen Sie zusätzliche Margen ab, die bei einer statischen Strategie verloren gingen.
 

Fazit: Die Zukunft liegt in der Vorhersage, nicht in der Reaktion

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Einzelhandel ist keine futuristische Option mehr, sondern eine operative Notwendigkeit. Laut dem Jahresbericht von NVIDIA zu KI im Einzelhandel planen 97 % der Einzelhändler, ihre Investitionen in KI zu erhöhen, um der Volatilität entgegenzuwirken, und 45 % geben an, dass diese Technologie ihnen direkt hilft, Kosten zu senken.

Bei Smart Pricing geht es letztlich darum, die Nachfrage zu antizipieren, anstatt sich darauf zu beschränken, auf den Wettbewerb zu reagieren. Es verwandelt einen manuellen und mühsamen Prozess in einen strategischen Wettbewerbsvorteil. Die Wahl des richtigen Technologiepartners, wie Reactev, ermöglicht es Unternehmen, den verborgenen Wert in ihren Daten freizusetzen und ihre Rentabilität langfristig zu schützen.

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Kategorie: Dynamische Preise

Stichworte: Pricing

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mariajose.guerrero
Maria Jose Guerrero
Content Manager

Erste Dynamic Pricing -Lösung von und für Einzelhändler entwickelt